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Kärnten: Eine Reise in die Vergangenheit – Teraske Sanitätshäuser
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Kärnten: Eine Reise in die Vergangenheit

Wolfgang Meier-Smith ist einer unserer Orthopädietechnikermeister und seit 1994 Teil des Teams in der Orthopädietechnik. Er lebt mit seiner Familie in Celle, hört und sammelt leidenschaftlich Musik und liebt die Natur. Für unser Blog hat er einen Bericht über seinen letzten Sommerurlaub geschrieben.

Im Sommer 2018 war es soweit. Ich erfüllte mir einen Wunsch, der mich schon lange begleitete, indem ich an einen Ort zurückkehrte, den ich im zarten Alter von 6 Jahren zum ersten Mal besuchte und danach immer wieder. Der Ort, von dem hier die Rede ist heißt Heiligenblut und liegt mit seinen ca. 1.000 Einwohnern auf einer Höhe von 1301m im österreichischen Bundesland Kärnten, am obersten Ende des Mölltals im Nationalpark „Hohe Tauern“, dem Größten in Mitteleuropa.

Zunächst verbrachten wir jeden Sommer viele Familienurlaube dort, aber auch als Teenager ließ ich die Ferien auf dem Rückweg vom damaligen Jugoslawien, Sardinien oder Korsika noch ein paar Tage dort ausklingen. Mein letzter Aufenthalt dort war nun aber schon 20 Jahre her, als meine Frau und ich, damals noch kinderlos, mit meinen Eltern dort campen waren, da unsere Stammpension „Tauerngold“ mittlerweile nicht mehr betrieben wurde. Ich hatte beschlossen, den Urlaub auf den Spuren meiner Kindheit alleine anzutreten, da ich das Bedürfnis hatte, herauszufinden, wie ich mich mit mir selbst vertrage. Um es vorweg zu nehmen, es hat hervorragend geklappt und ich war schon lange nicht mehr so bei mir, wie in diesen zwei Wochen. Vielleicht sollte ich auf Eremit oder Trucker umschulen.

Die Anreise ließ südlich von München meine Vorfreude noch steigern, als sich die ersten Ausläufer der Alpen imposant vor mir auftürmten. Die letzte Etappe vor meinem Ziel war die „Großglockner Hochalpenstraße“, die zwischen 1930 und 1935 erbaut wurde und als eine der schönsten Hochgebirgspässe überhaupt gilt. Sie verbindet auf ihrer 47 Kilometer langen Route über die „Hohen Tauern“ die Bundesländer Salzburg im Norden und Kärnten im Süden, überwindet dabei einen Höhenunterschied von 1.750 Metern und man kann an zahlreichen bewirteten und unbewirteten Stopps die besonderen Merkmale der verschiedenen Höhenregionen, wie etwa die Baumgrenze oder den auch im Sommer liegenden Schnee, bewundern.

Am Ende dieser Erlebnisstraße, nach der letzten Kurve, erschien das weltbekannte Panorama von Heiligenblut, mit der markanten gotischen Spitzkirche „St. Vinzenz“ aus dem 15. Jahrhundert im Oberdorf und dem Blick nach Westen auf den höchsten Berg Österreichs, den Großglockner (3.798 m) und die links daneben aufragenden Drei Leiterköpfe. Ich war angekommen, fühlte mich schlagartig zuhause und wusste, warum meine Erinnerungen an diesen Ort sich häufig fast nach Heimweh angefühlt hatten.

Heiligenblut ist ein Sackgassendorf, in dem es praktisch keinen Durchgangsverkehr gibt, da dieser am östlichen Ortsende nach Süden durch das Mölltal weitergeleitet wird. Der Name des Dorfes hat seinen Ursprung von einem dänischen Edelmann namens Briccius, der im 10. Jh. dem Kaiser von Konstantinopel zu Diensten war und zum Abschied als Geschenk ein Fläschchen heiligen Blutes bekam. Beim Versuch, diese Reliquie in christlichere Landstriche über die Alpen zu bringen, wurde er unweit von Heiligenblut von einer Lawine erschlagen. Dort steht heute die Bricciuskapelle. Sein Leichnam wurde von Hirten entdeckt und mit Ochsenkarren ins Tal befördert. Genau dort, wo jetzt die Kirche „St. Vinzenz“ steht, weigerten sich die Ochsen strikt, weiter zu gehen und man begrub Briccius an Ort und Stelle und fand dabei auch das Fläschchen. Obwohl eine Heiligsprechung wegen mangelnder Fakten verweigert wurde, baute man Briccius in der Kirche eine eigene Krypta, wo der Leichnam und das Fläschchen noch heute aufbewahrt werden.

Das Dorfbild hatte sich, wie von mir erhofft, kaum verändert und seine Ursprünglichkeit bewahrt. Nur der damalig abenteuerliche Sessellift hatte sich in einen Gondellift verwandelt und vereinzelte kleine Frühstückspensionen waren nicht mehr bewirtet. Mein Quartier war der „Kärntner Hof“, der mir bekannt war, weil wir früher dort oft zu Abend gegessen hatten. Dieses freundliche Hotel im Unterdorf, direkt an der Möll, wird seit vielen Generationen familienbetrieben und ist dementsprechend individuell gestaltet mit geräumigen Zimmern mit Balkon und einem tollen Saunabereich. Zum ausgewogenen, reichhaltigen Frühstück gibt es als persönliche Karte die Auswahl für das Menü des Abends, das einzig für die Hotelgästen angedacht ist, angereichert mit unkitschigen Sinnsprüchen und überlieferten Sagen aus der Gegend.

Um mich langsam einzulaufen, beschloss ich am ersten Tag, das engere Tal um Heiligenblut zu umrunden und entdeckte den mir noch unbekannten Lehr-und Erlebnispfad „Natura Mystica“, der darauf abzielt, innezuhalten, seine Sinne auf die jeweiligen Besonderheiten der Gegend zu lenken und den Wanderer nicht mit ausufernden Informationen zu überfordern. Eine Station dieses Pfades ist der Gößnitzwasserfall, der sowohl von oben als auch von unten hautnah wasserdampfend zu bewundern ist, wie er über 70 Meter tosend durch eine Schneise in der steilen Felswand in die Tiefe stürzt und dann in der Möll mündet. Der Sage nach wurde diese Schneise von einem Riesen mit einer Axt in den Fels gehauen, aber ich habe gewisse Zweifel am Wahrheitsgehalt.

Langsam steigerte ich Anspruch und Dauer meiner Wanderungen von Tag zu Tag und war froh, dass meine Knochen mir, abgesehen vom Tempo, keine Grenzen aufzeigten, was bei meinem Gewicht nicht unwahrscheinlich gewesen wäre. Auf meinem Weg zum Zirmsee an der „Via Aurea“, dem Weg des Goldes, das bis in das 20. Jh. dort abgebaut wurde, biege ich von der Großglockner Hochalpenstraße in das kleine Fleißtal ab. Am Alpengasthof „Alter Pocher“ stelle ich den Wagen ab und beginne den Aufstieg zum 1.000 Meter höher gelegenen Hochgebirgssee, wo ich noch eisige Überreste des Winters vorfinde. Nach dem Abstieg belohne ich mich im „Alten Pocher“ mit einem Weizenbier und einem leckeren Schnitzel. Unweit des Alpengasthofs befindet sich ein Goldgräberdorf, in dem Interessierte sich im Goldwaschen üben können. Ich durchstreifte auf meinen Wanderungen durch diese zauberhafte Gegend, viele Täler und Pässe, überquerte Staudämme und Hängebrücken, streifte den immens geschmolzenen Pasterzengletscher am Fuße des Großglocknermassivs und war jeden Tag von der atemberaubenden, teils bizarren Landschaft fasziniert, die seit jeher zu phantasievollen Mythen angeregt hat.

Eine meiner Wanderungen dauerte auch für mich überraschende 10 Stunden (als Kind ging es schneller) und ich bekam schon einen Anruf vom Hotel, ob ich noch unter den Lebenden weilte. Während dieser gesamten Tour bin ich, abgesehen von tierischen Almbewohnern, nur einem Paar aus Belgien begegnet, also ein Unterfangen, das voraussetzt, dass man Abgeschiedenheit zu schätzen weiß. Beim Überqueren eines Passes dieser Wanderung fand ich den Großglockner so zum Greifen nah vor mir, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte, was, wie ich später erfuhr, einem Wetterphänomen zugrunde lag, das Regen verkündet. Es stimmte übrigens und ich geriet in einen der wenigen Schauer meines Aufenthaltes.
Durch meine späte Rückkehr gegen 20:00 Uhr verpasste ich leider das Klassikkonzert in der Kirche, auf das ich mich sehr gefreut hatte. Egal, die Erlebnisse des Tages waren das Versäumnis wert.

Meine wanderfreien Tage nutzte ich für Ausflüge. Einer dieser Ausflüge führte mich in das knapp 40 Kilometer entfernte Lienz, eine Kleinstadt im Drautal in Osttirol am Fuße der gewaltigen Lienzer Dolomiten. Es war Markttag in der Altstadt und ich genoss einen Spaziergang an der Isel bis zum Schloss Bruck aus dem 13. Jahrhundert, dem Wahrzeichen der Stadt. Für Freunde des Sommerrodelns befindet sich unweit von dort eine rasante Anlage. Ein anderes Ziel, das ich während meines Urlaubs zweimal ansteuerte, war Weißensee, am gleichnamigen 930 Meter hoch gelegenen Bergsee am Fuße der Gailtaler Alpen, der sich mit seinem klaren Wasser über 11,6 Kilometer erstreckt. Ich verbrachte dort meine Tage im bewiesten Strandbad, dass trotz des tollen Wetters nicht übervölkert war, da viele Pensionen eigene Stege am See besitzen. Das Wasser war herrlich und ich unternahm ausgedehnte Schwimmtouren zum anderen Seeufer. Da die Sonne wegen der kühlenden Bergluft von mir wenig intensiv empfunden wurde, habe ich mir beim ersten Besuch ordentlich den Pelz verbrannt. Sie ist halt dichter dran. Die knapp 80 Kilometer lange Anreise von Heiligenblut erlebte ich aufgrund der wunderbaren Panoramen als sehr kurzweilig mit vielen Pausen für Entdeckungen. Auf dem Rückweg am späten Nachmittag machte ich jeweils noch Stopp im auf dem Weg liegenden Lienz, um den Tag bei einem Abendessen ausklingen zu lassen, bevor ich mich zurück in mein „Basislager“ machte.

Ein weiteres Highlight war die Begegnung mit den Töchtern unserer mittlerweile verstorbenen Pensionswirte nach ca. 30 Jahren. Ich klingelte unangekündigt und mit einem Kindheitsfoto von 1973 bewaffnet und nach kurzer Verwirrung fiel der Schilling. Die mittlerweile Mitte 60jährige Ilse ließ mich hinein und zeigte mir die ganze ehemalige Pension mit der so regionstypischen Freundlichkeit und wir unterhielten uns angeregt, als wären wir alte Freunde. Sie lud mich gleich auf eine zufällig stattfindende Familienfeier ein und wir hatten einen schönen Abend.

Hier soll mein Reisebericht enden und falls jemand weitere Fragen zu Heiligenblut hat, möge er sich gerne an mich wenden. Diese zwei Wochen werden mir noch lange in Erinnerung bleiben und es war bestimmt nicht das letzte Mal. Die Welt ist groß, ich weiß, aber mir ist es enorm viel wert, die Orte zu kennen, an denen man sich Zuhause fühlt und in sich ruhen kann.

Ich schätze, ich werde alt…